Wir sind für Sie da.
In Begleitung eines Fernsehteams werden wir auf keinen Fall mehr auf Kreuzfahrt gehen. Ansonsten gibt es ja noch viele andere Schiffe, die eventuell nicht viel besser als die Artania sind, aber ausprobieren kann man es schon.
Die Artania wurde 1984 gebaut, also ein älteres Schiff, das aber einen gepflegten Eindruck hinterließ. Das Kreuzfahrtschiff wird hauptsächlich von Senioren gebucht. Gefühltes Durchschnittsalter 75. Kinder gab es nicht an Bord, die sind nicht eingeplant. Sport- und Einkaufsmöglichkeiten sind sehr begrenzt.
Unsere Kabine war sehr abgewohnt, z. T. defekte Möbel. Die Sanitärzelle war neu saniert und geräumig. Wir hatten Probleme die Kleidung ordentlich zu verstauen, da der Doppelschrank nicht viel Platz bietet. Zum Schlafen war die Größe und schlicht eingerichtete Kabine vollkommen ausreichend, aber bei längerem Aufenthalt entstand kein Wohlfühlfaktor. Sie wurde sehr gut gepflegt und betreut.
Zwei Bedien- und ein Buffettrestaurant sollten für die gastronomische Versorgung ausreichen. Dennoch gab es Wartezeiten und manchmal auch nervende Suche nach einem geeigneten Platz. Hier wären feste Sitzplätze empfehlenswert, so auch die Meinung vieler Passagiere. Die Qualität der Speisen war sehr gut. An Sauberkeit und Hygiene gab es unsererseits keinerlei Beanstandungen. Die Servicekräfte hatten einen schweren Job bei dem voll besetzten Schiff und man sah es ihnen teilweise auch an. Mit großzügigem Trinkgeld kann man die Stimmung entscheidend aufhellen.
"Artania"
Die Shows an Bord waren dem Publikum entsprechend. "Stargast" Patrick Lindner fand sehr großen Anklang. Ansonsten gab es kein überragendes Programm, was man unbedingt erleben musste. Aufgrund des nicht ausreichenden Platzangebotes in der Showlounge hatte man bei den besseren Angeboten eh Probleme einen Platz zu finden. Dafür saßen dann in der ersten Reihe etliche Senioren mit geschlossenen Augen, weit aufgerissenen Mündern und träumten scheinbar von weiteren tollen Reisen mit der Artania. Wir hatten mal ein anspruchsvolles Klavierkonzert besucht. Da gab es ausreichend Plätze und auch die Dauerschläfer in der ersten Reihe. Die haben dann hinterher am meisten von der traumhaften Musik geschwärmt. Ich stelle mir vor, dass auch manche Beurteilungen hier so zu werten sind.
Für Kinder ist an Bord nichts eingerichtet. Wir haben auch keins gesehen. Die Artania ist das ideale Rentnerschiff und daran wird sich wohl auch nichts durch die Werbung mit "Verrückt nach Meer" ändern. Wir sehen das auch nicht unbedingt negativ. Es gibt genügend ältere Menschen, die viel Zeit und das nötige Kleingeld mitbringen und einige sagen sogar, es wäre viel schöner auf diesem Kreuzfahrtschiff zu reisen, als im Altersheim zu sitzen. Kann man ja gut verstehen.
Sport- und Freizeitangebot war eher dürftig. Ein Fitnessraum und zwei Tischtennisplatten im Außenbereich stehen zur Verfügung. Da nun fast ausschließlich Senioren an Bord sind, ist das Angebot ausreichend. Aber schon die ca 20 jüngeren Leute vom Kamerateam und einige Künstler haben für eine gute Auslastung der Gerätschaften gesorgt. Sollten mehr jüngere Passagiere an Bord kommen wollen, dann wird es sehr eng was Freizeit- und Sportmöglichkeiten betrifft. Eine Kreuzfahrt ist ja nun auch nicht unbedingt ein Belustigungs- und Actionsevent.
Wellnesangebote haben uns weniger interessiert. Es gab sie auf alle Fälle.
An Bord wird ausschließlich deutsch gesprochen. Die Verständigung mit den meist ausländischen Servicekräften war ganz gut. Die "guten Geister" auf dem Schiff waren stets sehr freundlich und hilfsbereit, was man von den Phoenixmitarbeitern nicht in jedem Fall sagen konnte. Das war wohl mehr der Tatsache geschuldet, dass ein oder zwei Fernsehteams für die Staffel "Verrückt nach Meer" mitgereist sind und für die sehr viel Energie und Aufmerksamkeit verschwendet wurde, die dann den Passagieren nicht mehr zur Verfügung stand. Wir mussten Ausflüge ohne Phoenix-Reiseleiter oder nur mit Ersatzleuten hinnehmen, dafür waren die "besten" Reiseleiter auf gesonderten Ausflügen mit dem Fernsehteam unterwegs. Man kann das gut anhand der zur Zeit im ARD laufenden Ausstrahlung "Verrückt nach Meer" ab Folge 253 verfolgen. Diese Serie hat absolut nichts mit der Realität auf dem Schiff zu tun, außer man interessiert sich vor allem für die Arbeit in der Küche und auf der Brücke. Die als Darsteller dafür ausgesuchten jüngeren Komparsen bekommen die Reise gesponsort und repräsentieren in keinster Weise den Kreis der Passagiere und deren Aktivitäten. Organisatorisch traten an Bord einige Fehlleistungen auf, so die unendlichen Wartezeiten bei Passkontrollen oder auch beim Übersetzen mit den Tenderbooten. Zum Teil herrschte regelrechtes Chaos, das die Phoenixmitarbeiter nicht immer im Griff hatten. Den Höhepunkt bildete dann noch die Ausschiffung in Hamburg mit stundenlangen Wartezeiten.
70
Leger
Locker & leger
ok