Wir sind für Sie da.
Wir wussten, was auf uns zukommt, und haben uns daher entsprechend eingestellt. Insofern haben wir eine unterhaltsame Reise gehabt, einige interessante Leute kennengelernt und vor Allem wichtig uns für unsere Anschlusstour durch Neuengland den Jet-Lag erspart. Die Route war interessant, weil vielfältig. Das Schiff und seine Crew entsprechen in jeder Hinsicht dem zeitgemäßen 4-Sterne-Standard. Man kann es gut für längere Zeit darauf aufhalten.
Die Route war geplant ab Harwich /UK über Le Havre und Cherbourg / Frankreich, Cork / Irland, Akureyri und Reykjawik / Island, St. John/ Neufundland, Sydney / Nova Scotia nach Boston / USA. Wegen Sturms (?) auf der Strecke dorthin wurde der Hafen "St. John" nicht angelaufen, dafür ein Seetag mehr und ein längerer Aufenthalt im eigentlich langweiligen Sydney. Die Begründung schien erfahrenen Kreuzfahrern fragwürdig. Einen richtigen Sturm (12 Beaufort) hatten wir tatsächlich auf dem letzten Abschnitt. Wegen der Größe des Schiffes war ein Schwanken jedoch kaum spürbar. Die angelaufenen Häfen vermittelten den jeweils erwarteten national typischen Eindruck. In allen Fällen gelangte man in ein paar Minuten vom Schiff zu Fuß in die Städte.
Die Exkursionen waren eher für Passagiere interessant, die das "Hinterland" kennen lernen wollten. Hierbei war, bis auf Island mit jeweils deutschsprachigen Touren und eine kurze Bostonstadtrundfahrt, gutes Englisch erforderlich. Vorabinformationen im Bord-TV nur englisch. Deutsch im täglichen Bulletin - ebenfalls eher knapp und anscheinend darauf angelegt, Exkursionen zu verkaufen. Die Preise dafür unverhältnismäßig! Ortspläne mangelhaft. Die "deutschen" Exkursionen waren sämtlich angenehm und lehrreich. Betreuung durch den Insidian-Reiseleiter von Anfang bis Ende gut. Die deutsche s.g. "internationale Botschafterin" des Schiffes war sicherlich bemüht und zeigte guten Willen.
Das relativ neue, technisch moderne Schiff war mit 2200 Passagieren nahezu ausgebucht. Es hätte aber auch nicht voller sein dürfen. Das große Kasino ist für US-Passagiere sicherlich optimal. An diversen zentralen Stellen Wi-Fi und PCs. Preis ca. 60 $ / Stunde! Einkaufsauswahl eher gering von eher mittlerer Qualität. Mobiliar verschiedentlich bereits abgenutzt. Sauberkeit überall groß. Auf unserer Reise geschätzt 80 % US-Rentner, max 15 % Europäer. Eingeschlossene Preise praktisch keine. Umfangreicher "Verhaltenskatalog", der überall aushängt und ständig wiederholt wird - auch vor der abendlichen Show im Theater. Man hielt sich durchweg an die jeweils erbetene Kleiderordnung. Wir waren um so mehr verwundert, als die übliche Seenotübung zu Beginn der Reise nicht konsequent durchgezogen wurde! Die Crew stammt aus 65 Nationen - der Chefkoch deutsch, der Kapitän Norweger, der Chief-Ing. Italiener und der 1.Offizier Amerikaner etc.
Unsere Balkon-Kabine befand sich auf dem 8. Deck am Heck des Schiffes. Sie entsprach dem üblichen Standard und der Ausstattung wohl der meisten Meyer-Werft-Schiffe. Sauber, netter Service. Es war ärgerlich, dass Durchsagen - außer denen für den Notfall, den es nicht gab - nicht in die Kabinen geleitet wurden. Im Flur war die Hörqualität sehr gering, was vor Allem für z.B. deutsche Durchsagen zutraf. Auch auf Bitten hin wurde keine Abhilfe geschaffen. Um die TV-Bedienung zu beherrschen, brauchte es etwas Zeit und Übung. Im Raum kein WiFi nur Kabelanschluss für einen PC.
Die Speisen waren von durchweg guter Qualität und Vielfalt - für jeden Geschmack etwas - sowohl am Windjammer-Büffet wie auch beim abendlichen Dinner. Getränkepreise auch für Softdrinks durch die Bank zum Abgewöhnen - Ausnahmen Kaffee, geeistes Wasser, Tee und Limonade. Keine Incl.-alkoholischen Getränke während der offiziellen Mahlzeiten. In den beiden "gehobenen" Restaurants Steaks und italienische Küche für gehobene Zusatzpreise und Extra-Vorab-Trinkgelder. Die Tischvergabe für abends war reichlich chaotisch. Wir wollten nicht am Küchendurchgang sitzen. Schließlich saßen wir alleine wie andere deutsche Paare auch, wie sich leider erst zum Ende der Reise herausstellte.
Die Show-Programme waren vielfältig und durchweg auf hohem Niveau. Vorträge nur in Englisch, im Regelfall inhaltlich und von der Darstellung her gut aber verschiedentlich auch abgelesen nuschelig und selbst für Muttersprachler nicht zu verstehen. Bibliothek gut sortiert - auch deutsch. Mitmach-Veranstaltungen wie Tanzen oder Karaoke interessant und spaßig. Der Unterhaltungsdirektor und seine Crew stellten immer wieder neue Rekorde im Schnellsprechen auf. Seine eigene Darstellung war aber nicht schlecht. Auf dem ganzen Schiff gab es außer in der eigenen Kabine, dem "Cards-Room" oder beim Dinner von früh bis spät keinen Ort, an dem man sich bei Zimmerlautstärke hätte unterhalten könnte. Auf Deck natürlich auch, wenn es Wind und Wetter zuließen.
Wir waren ohne Kinder unterwegs. Die wenigen an Bord schienen sich nicht zu langweilen.
Komplettes Fitness- und Wellness-Programm an Bord. Alle denkbaren Maschinen, lange Joggingstrecke, Kletterwand, Golf, Basketball etc. etc. Der zentrale, große Innenpool eher zum Herumliegen und Jakuzzibaden mit karibischen Plastikbäumen und -sträuchern dekoriert. Wellnessangebote überteuert.
Check-in und -out grundsätzlich problemlos wenn auch nicht besonders effizient. Amerikaner sind wohl besser ans Warten bzw. Herumkommandiertwerden angepasst wie auch duldsamer als wir Europäer. Die Hilfsbereitschaft der Crew war allerdings trotz aller Sprachschwierigkeiten groß. Unser Insidian-Begleiter machte zudem einen dankenswert guten Job.
70
Sportlich elegant
Locker & leger
schlecht
Wir meinen, eine Nordatlantikreise ohne Sturm ist keine richtige Reise - bei den heutigen Schiffen ist das auch kein Sicherheits-oder Gesundheitsproblem. Man sollte sich vorher über alle "Nebenkosten" nicht nur der Exkursionen informieren, um hinterher keinen Spaßverlust zu erleiden. Wellness, Exkursionen, Getränke, Internet und Telefon sind extrem teuer. Das pauschale Trinkgeld hält sich in Grenzen und entspricht eher amerikanischer Verhaltensweise / Notwendigkeit für die Crew. Auf diesem Schiff heißt formelle Kleidung nicht unbedingt "Smoking" - aber dann wenigstens Abendgarderobe. Auf Schiffen mit vielen Amerikanern ist es immer sehr laut (Gespräche und / oder Musik) und die Tischsitten sind bisweilen gewöhnungsbedürftig. Wenn möglich sollte man sich spätestens bei Buchung über die Nationalität des Gros der Passagiere zu erkundigen versuchen. Gute Englischkenntnisse erhöhen die Freude und verbessern das Kennenlernen. Bei aller Kundenorientierung ist aber doch das Massengeschäft arg spürbar. Die Organisation auch der An- und Abreisen klappte im Allgemeinen vorzüglich.