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Das Regent Konzept des All-Inclusive Luxury ist grundsätzlich bewundernswert. Regent möchte vermehrt auf dem europäischen Markt Fuss fassen. Dafür müssten aber den Details, an denen Europäer Luxus messen, mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden.
Das Schiff ist im Frühling 2016 auf den Stand der übrigen Regent Flotte gebracht worden. Alles sieht nun optisch frisch und luxuriös aus. Die Hardware des Schiffes stimmt, der gute optische Eindruck wird aber durch den Service und den überraschend bescheidenen Level der Gastronomie beeinträchtigt. Die Navigator ist ein kleines Schiff, auf dem man schnell mit den Mitreisenden in Kontakt kommt. Daher war es leicht feststellbar, dass diverse Mitreisende ebenfalls Kritik äusserten. Sehr angenehm ist, dass Regent eine All-Inclusive Politik verfolgt. Selbst aufwändige Cocktails, Champagner und der Wein beim Essen waren im Preis inbegriffen. Das gilt auch für die Landausflüge, bei denen man aus vielen Angeboten in jedem Hafen etwas Passendes aussuchen kann. Luxuriöse Getränke und Landausflüge kosten extra. Unserer Erfahrung nach lassen auch die inkludierten Standardangebote kaum Wünsche offen.
Die Penthouse Suite war gross, gut ausgestattet, mit hohem Wohlfühlfaktor. Negativ ist anzumerken, dass zwischen den Kabinen kaum Schallschutz besteht. Das gilt auch für die Abtrennungen auf den schönen Balkonen. Die Bäder sind vielleicht etwas sehr traditionell, aber dafür mit separierter Dusche und Badewanne, was grosszügig wirkt. Sehr gut ist der begehbare Schrank. Bereits die Standardsuiten entsprechen auf anderen Schiffen gehobenen Kabinenkategorien.
Die Restaurants sind optisch sehr ansprechend. Umso enttäuschender ist, was auf den Teller kommt und vor allem, wie es serviert wird. Das Personal wirkt an vielen Orten zwar bemüht, aber unbedarft. Es gab kein einziges Essen, ohne dass man sich fragte, wie so ein Zwischenfall passieren kann. Vielleicht bemängelt man Kleinigkeiten, wenn lange Wartezeiten, falsche Abfolge der Speisen, fader Geschmack und sich anbiederndes Personal kritisiert wird. Aber Regent fordert ja geradezu dazu heraus, wenn sie sich selber als Luxusreederei präsentiert und optisch alles auf Opulenz ausgerichtet wird. Ja, die Platzteller sind von Versace... Die Vielfalt beim Essen ist sicher gegeben. Drei Restaurants sind zwar etwas bescheiden, aber das Hauptrestaurant "Compass Rose" bietet Abwechslung. Das Steakhouse "Prime 7" bemüht isch um Gediegenheit, aber es sind die Details, die nicht klappen... Zur Foie Gras wird unpassender Wein angeboten, das Tunfischtartare wird mit reichlich grünem Salat verunziert (der Chef, der immerhin seine Runde machte, meinte auf Nachfrage: ach, das war nur eine Garnitur. Nochmal: man kritisert auf hohem Niveau, aber es ist ja das Niveau, das sich Regent selber gesetzt hat. Der Service auf dem gesamten Schiff ist auf angelsächsische Gäste ausgerichtet, wobei das englisch parlierende sehr internationale Personal teilweise schnell an die eigenen Grenzen beim Verständnis stösst. Auch der Stil des Services sollte unseres Erachtens überdacht werden. Für US Amerikaner mag es üblich sein, dass sich Kellner mit Vornahmen vorstellen und behaupten, sie wären unser "Kellner für heute Abend" (was natürlich nur teilweise stimmt, denn die chaotische Organisation des Service führt dazu, dass man von diversen Personen bedient wird). Für Europäer ist diese Art der Interaktion mit dem Service eher bemüht und unnötig. Hilfreicher wäre es da, wenn die Kellner freundlich und kompetent wären. Das ist aber selten der Fall. Kritik bei den Verantwortlichen (wir wurden regelmässig gefragt, ob alles recht sei, und wir haben jeweils auch geantwortet...) wurde teilweise verständnislos und hilflos begegnet. Gegen Ende der Reise setzt eine gewisse Ermüdung beim Kritiküben ein, denn Verbesserungen waren kaum festzustellen. Unser Eindruck war: man lebt einfach mit der Kritik, die ja nicht nur von uns geäussert wurde. Viel Unverständnis erntet die Tatsache, dass man (ausser im "Prime 7", wo man einmal pro Reise essen darf) in den Restaurants keine Reservationen machen kann. An einem Abend wollten wir keine kleine Party organisieren und ich fragte unseren Butler, ob er uns einen Tisch für 8 arrangieren kann (Ja, wir hatten einen "Butler", eine nette und höfliche Präsenz, welche Häppchen um 17.00 Uhr in der Kabine servierte und überhaupt hauptsächlich für unsere gastronomischen Anliegen zuständig schien). Der Butler sagte zu, mit dem Restaurant zu sprechen. Am Abend - die Gäste waren eingeladen - sagte er, man habe keine Reservation entgegen nehmen wollen, aber man versuche, dass es klappen könnte. Und es hat auch ohne Reservation geklappt. Der Tisch war wunderschön, die Party gelang, aber ich habe Blut geschwitzt, ob wir tatsächlich 8 Leute an den selben Tisch bekommen werden... Die Tatsache, dass es nur wenige Tische für 2 gibt, stört uns wenig, denn wir setzten uns gerne zu anderen Leuten an den Tisch. Die meisten Miteisenden waren angenehm und man lernt sich auf diese Weise schnell kennen. Andere Reisende mochten dieses System nicht und so kam es zu lautstarken Auseinandersetzungen mit dem Restaurantmanager, denn Wartezeiten sind nicht wirklich luxuriös... Die Atmosphäre in den Restaurants war je nach Zeitpunkt aufgeräumt bis aufgekratzt. Trotz inkludierter alkoholischer Getränke kommt keine Stimmung auf in den Bars. Die lange und späte Essenszeit verhindert, dass man um 21.30 Uhr die einzige Show auf dem Schiff besuchen kann. Mittagessen verpasst man meist, weil man auf Landausflügen ist.
Compass Rose
Galileo's Lounge
Leider konnten wir keine Shows sehen. Sie beginnen um 21.30 Uhr und werden nicht wiederholt.
Regent sind keine Familienkreuzfahrten. Für Reisende, die das mögen, ist das natürlich ein Vorteil. Reisende mit Kindern sollten andere Schiffe bevorzugen.
Bescheiden
60
Sportlich elegant
Klassisch & elegant
gut