Wir sind für Sie da.
Wie immer kommt es auf die eigene Ansprüche an, die man an eine Kreuzfahrt hat. Viele Gäste scheinen mit dem, was AIDA bietet, sehr zufrieden sein und fahren nur mit dieser Reederei. Wir hatten eine traumhafte Reise, aber vor allem wegen der angelaufenen Häfen. Die Route war das Ziel. Wer an einem sonnigen Tag einfach nur an Deck sitzt und das Meer genießt, wird kaum einen Unterschied zu anderen Schiffen feststellen. Wer jedoch Wert auf aufmerksamen Service, auf ein bisschen Glamour und das Außergewöhnliche an Bord legt, darf bei AIDAvita unserer Ansicht nach nicht zu viel erwarten. Unsere ohnehin schon geringen Erwartungen wurden sogar noch unterboten. Der gezahlte "Premium"-Preis für das "Selection"-Label mag vielleicht noch für diese Route angemessen gewesen sein, er steht jedoch in keinem Verhältnis zur abgenutzten, wenn auch recht gemütlichen Kabine und dem gebotenen Service an Bord. Außer der Wahl der Kabine und 250 MB Internet an Bord bietet der Premium-Tarif keine nennenswerten Vorteile. Kein Priority-Check-In, keine Bevorzugung beim Tendern o.ä. Für uns war dies vor allem aufgrund der unserer Ansicht nach inakzeptablen Service-Leistung die erste und vorerst letzte Reise mit AIDA. Als willkommener GAST haben wir uns an Bord leider fast nie gefühlt.
Die vita ist 16 Jahre in Betrieb. Dass man bei einem Schiff mit rund 1200 Gästen keine sensationellen Einrichtungen wie Eisbahnen oder Wasserrutschen erwarten kann, müsste eigentlich jedem klar sein, der dieses Schiff wählt. Allerdings wollen die wohlklingenden Werbebotschaften von AIDA mit der Realität an vielen Punkten leider so gar nicht zusammen passen. Man nehme also ein älteres Schiff, übertünche klein und renovierungsbedürftig mit dem dehnbaren Begriff "familiär", erfinde sprachlichen Unsinn wie die Bezeichnung "Premium Lektor" und klebe am Ende noch das Etikett "Selection - Land und Leute erleben" drauf, damit sich all das besser und möglichst teuer vermarkten lässt. "Land und Leute erleben" heißt dann in der Realität, dass es beim Auslaufen aus New York Currywurst und Freibier gibt, vor den Küsten Kanadas die "Schlagergranaten" mit Ballermannhits gesungen werden und bei der Poolparty das "Alpenglüh'n" beginnt und im Buffetrestraurant zur Mittagszeit vor Grönland (!) deutsche Blasmusik und - kein Witz! - Heino mit "Blau blüht der Enzian" gespielt wird. Oder Sie lauschen dem Streit anderer Gäste, die vor dem Waschsalon in typisch deutscher Manier darüber debattieren, ob ein weiterer Gast berechtigt war, Wäsche aus der Maschine zu nehmen, um sie dann selbst in Betrieb zu setzen. Waschen gegen Gebühr, Bügeln können Sie kostenlos. A propos deutsch: Alles ist auf das deutsche bzw. deutschsprachige Kernpublikum zugeschnitten, vom Essen bis zur Unterhaltung. Wenn lokale Künstler aus Kanada oder Schottland an Bord zu sehen bzw. zu hören sind - wir wollen ja "Land und Leute erleben" - passiert das aus logistischen Gründen am Nachmittag oder frühen Abend, wenn viele der Passagier noch auf Landausflügen sind. Die lokalen Gäste müssen das Schiff beim Auslaufen ja wieder verlassen. Auch die Landausflüge des Selection-Konzepts unterscheiden sich in Dauer und Angebot nicht von denen anderer Reedereien. Mehr dazu - auch zu den anderen Angeboten an Bord - unter den jeweiligen Punkten. Einzig und allein bei der Auswahl der Häfen, die von größeren Schiffen nicht angefahren werden können, punktet die vita. Auf unserer Reise waren recht viele Familien mit Kindern, Teenagern an Bord, die von der Betreuung rein quantitativ offenbar sehr gut mit eigenen Programmen versorgt werden. Zur Qualität können wir leider nichts sagen. Neben einem kleinen Pool und einigen Whirlpools gibt es den Spa mit eigenem FKK-Bereich. Die Sauna muss nicht extra bezahlt werden, ist daher inklusive der Ruheräume insbesondere bei kälterem Wetter sehr gut besucht. Auch für Rollstuhlfahrer schien das Schiff gut zugänglich. Es waren mehrere Gäste mit Rollstuhl an Bord. Trinkgelder sind bereits im Reisepreis inkludiert. Wer mag, kann dem Personal natürlich trotzdem noch etwas zukommen lassen. Während der Mahlzeiten sind Bier, Hauswein und Softdrinks inklusive. Ansonsten sind die Getränkepreise in einem sehr vernünftigen Bereich, nicht überteuert. Gegessen wird entweder in den beiden Buffetrestaurants oder gegen Aufpreis im "Selection". Letzteres können wir jedem unbedingt empfehlen. Anzüge und Cocktailkleid können zuhause bleiben. Es gibt am Abend nur eine Regel für die Herren: lange Hosen. Diese nicht näher definierte Vorschrift der Beinkleider führt allerdings dazu, dass der Familienvater mit frisch gebügeltem Hemd, knielanger Designerstoffhose und geschlossenen Schuhen zum Umziehen auf seine Kabine geschickt wird, während gleichzeitig andere Reisende im ausgeleierten Bayern-München-Shirt mit verwaschener Trainingshose und dinosauriergroßen Fußnägeln in Flipflops neben Ihnen speisen. Bezahlt wird in Euro über die Bordkarte, die auch als Zimmerschlüssel dient. Ein Casino fehlt. Zentraler Anlaufpunkt am Abend ist neben dem Theater die AIDA-Bar, die allerdings mit ihren Silbersäulen und den Grün-gelben-Leder-Sesseln völlig aus der Zeit gefallen ist - da hat selbst manche Bar einer Ostseefähre mehr Flair als diese. Ein kleiner Shop mit einer guten Auswahl an Markenkleidung von ADIDAS, Hilfiger oder Brax sowie Merchandiseartikeln. Frische Blumendeko wie auf anderen Schiffen gibt es keine an Bord. Von der Palme bis zur Rose im Restaurant ist alles aus Vollplastik. Raucher dürfen auf den Balkonen rauchen sowie in bestimmten Bereichen auf dem Pooldeck, was dazu führt, dass man bei Bestellungen an der Poolbar mitunter das Aroma abgestandenen Zigarettenqualms genießen darf, außerdem in Bereichen am Heck des Schiffes. Die einzelnen Bereiche sind alle sehr sauber. Auf Hygiene wird sehr geachtet. Vor allem auch beim Betreten der Restaurants. Dort stehen Desinfektionsspender bereit. Wer auf das Internet oder kurze Nachrichten auch auf Reisen nicht verzichten möchte, kann diverse Internetpakete über das Bordportal in seinem Smartphone buchen. Achtung! Unbedingt aus dem Portal ausloggen! Wer das Bordportal auf seinem Smartphone einfach nur schließt, ohne sich abzumelden, gilt im Bordsystem als dauerhaft angemeldet, auch wenn gar keine WLAN-Verbindung besteht. So wurde es uns an der Rezeption erklärt.
Wir hatten eine Meerblickkabine auf Deck 4. Mit einem bequemen Bett, einem kleinen Fernseher (auch mit deutschen Programmen), einer Couch am Fenster, die auch als Bett genutzt werden kann und einen schönen Blick nach draußen. Stauraum in den Schränken hatten wir für zwei Personen genug - trotz 18 Nächten an Bord und neben Sommer- auch Winterkleidung für die kälteren Destinationen. Im Schrank ein Safe. Es gibt keine Minibar oder Kühlschrank. Die Kabine war abgesehen von einer stürmischen Nacht und hohem Wellengang ruhig. Aus den Nebenkabinen haben wir nur Stöhnen gehört, als sich der Schiffsbug bei höheren Wellen hob und dann wieder aufs Wasser klatschte. Auch der Waschsalon oder das Wäschelager der Crew um die Ecke hat zu keiner Lärmbelästigung geführt. Ein Adapter für die Steckdose ist nicht nötig. Kleines Bad mit genügend Ablageflächen aus Kunststoff und Dusche mit Glastür. Allen, die den Charme eines Pensions-Zimmers der 90er Jahre mit Korbsesseln und gelben Bettdecken im Klinik-Stil schätzen, dürfte die Kabine noch besser gefallen. Auf die Idee, dass man eine Zimmereinrichtung, die 16 Jahre jeden Tag in Benutzung ist, irgendwann mal renovieren muss, scheint in der AIDA-Zentrale in Rostock niemand zu kommen. Die Schranktüren sind abgewetzt, und während andere Kabinen zumindest einen neuen Teppich hatten, war unsere sichtlich alte Auslegeware in den Ecken teilweise schon dunkelgrau bis schwarz, an anderer Stelle mit Flecken übersäht und vor der Badezimmertür so stark abgerieben, dass bereits die Webunterseite zum Vorschein kam. Die Kabine wird einmal täglich bis 15.30 Uhr gereinigt. Einen Abendservice wie auf anderen Schiffen gab es keinen. Highlight war in der Nähe der Kabine eine Zapfstation für stilles und kohlensäurehaltiges Tafelwasser, die es auf jedem Deck kostenlos gibt. Am Abend hängt an der Kabinentür das Programm für den Folgetag. Unser Kabinensteward hat sich kein einziges Mal persönlich bei uns vorgestellt. Das haben wir so noch nie erlebt. Auf dem Bett lag bei Ankunft lediglich ein Schild mit seinem Namen. Gereinigt war unsere Kabine aber sehr gut. Falls Sie Ihre Kabine beim Premium-Preismodell selbst wählen können, sollten sie sich unbedingt genau die Lage anschauen. Auf Deck 7 liegen vor den Meerblickkabinen die Rettungsboote. Auf Deck 6 darunter haben Sie im vorderen und hinteren Bereich möglicherweise ein Fenster, aber keinen Blick aufs Meer, weil Ihnen ein Metallvorbau die Sicht versperrt! Außerdem müssen Sie dort immer damit rechnen, dass andere Gäste vor ihrem Fenster herumspazieren oder es sich auf Stühlen bequem machen.
Wir haben noch nie ein Schiff erlebt, auf dem sich die Geister beim Thema Essen so stark scheiden wie auf diesem. Das Essen wird vorzugsweise in Buffetform eingenommen, so mögen es die Stammgäste bei AIDA. Prinzipiell ist die Qualität der Speisen gut. Ob Rindersteak oder gebratener Peterfisch - das Essen ist in der Regel schmackhaft zubereitet. Dass einem nicht immer alles schmecken kann, ist wohl völlig normal. Satt wird man sicherlich. Aber: Das Buffet ist extrem fleischlastig. Schon am Morgen hat man die Auswahl zwischen zig Wurstsorten, beim Käse gibt es Edamer, Gouda, Käse mit Nüssen und noch einen Schimmelkäse. Und es ist egal, ob das Motto der Buffets "Alpenglüh'n", "Orientexpress", "Spanien" oder "USA" heißt - man könnte bei allem den Zusatz "nach deutscher Art" hinzufügen. Kreativ ist allein die Beschriftung der Speisen: Aus dem Schweizer Wurstsalat wird am nächsten Abend der Thüringer Wurstsalat. Die im Programm angekündigten "philippinschen Frühlingsrollen" heißen im Restaurant plötzlich "Eierkuchen mit Hackfleischfüllung". Beim Themenabend "Philippinen" finden sich außerdem so landestypische Speisen wie Kartoffelpüree und Spanferkel. Und weil es "Essig-Chili-Marinade" dazu gibt, ist es eben philippinisch. Während das Fleisch fast immer in braunen Soßen badet, die sich bis auf die Gewürze geschmacklich kaum voneinander unterscheiden, der Fisch fast immer auf dieselbe Art gebraten darauf wartet, auf die Teller gehoben zu werden, sucht mancher Gast vergeblich so etwas wie eine breitere Gemüseauswahl. Vorzugsweise gibt es Blumenkohl und Brokkoli, Karotten und Süßkartoffeln. Ansonsten Gemüse, das in Soßen schwimmt oder verkocht ist. Die Salatauswahl beschränkt sich im Wesentlichen auf Blattsalat, Karotten, Tomaten, Bohnen, Spinatblätter und Rotkraut. In Currywurstschälchen werden daneben auch mal u.a. Thunfisch, sowas Ähnliches wie Feta oder Pistazien gereicht. Dazu angemachte Salate, aber immer mit Fleisch oder Fisch. Die Speisen sind nicht schlecht, aber Vieles erinnert mit zunehmender Dauer der Reise eher an die Buffetauswahl einer guten Kantine. Außergewöhnliches gibt es so gut wie nichts. Der deutsche AIDA-Gast will offenbar gerne die Welt erkunden, aber nur, wenn am Abend der Schweinebraten wartet, am besten so, wie ihn die Mutti zuhause auch macht. Das fällt bei kürzeren Reisen von einer Woche möglicherweise nicht auf, macht sich aber eben bei längeren Aufenthalten durchaus bemerkbar. Am Abend gibt es im Marktrestaurant zwei Sitzungen, die Sie frei wählen können: Von 18.00 bis 19.30 und von 20.00 bis 21.30 Uhr. Im Calypso Abendessen von 18.00-21.00 Uhr. Mit einem gemütlichen oder gar stilvollen Dinner hat das freilich nichts zu tun. Vor dem Marktrestaurant warten bereits ab 19.40 Uhr die Gäste auf den nächsten Einlass, dicht gedrängt, möglichst weit vorn. Wenn sich dann die Absperrung öffnet, will jeder der Erste sein. Jeder will einen der begehrten Plätze am Fenster oder einen 2er-Tisch ergattern und natürlich möglichst früh am Buffet sein. Es geht vor allem darum, den Teller so voll wie möglich zu schaufeln, um hinterher zuhause zu erzählen, dass man wieder 5 bis 6 Kilo zugenommen hat, weil das Essen so sensationell war. Wer wirklich mal das Außergewöhnliche erleben will, sollte unbedingt einen Abend im "Selection"-Restaurant verbringen, das seinen Namen verdient. Dort zaubert der Spitzenkoch mit seinem Team hervorragende Menüs, die am Platz serviert werden. Allerdings gegen Aufpreis ab 14,90. Das teuerste Menü mit 8 Gängen 44,50 pro Person. Getränke gehen extra. Aber es lohnt sich!!! Die Getränke sind übrigens nicht überteuert: Ein 0,3-l-Pils für 2,90 Euro, ein Latte Macchiato für 2,80, ein Glas AIDA-Sekt (der Rosé ist sehr zu empfehlen!) für 3,90. Cocktails mit Alkohol zwischen 6,50 und 7,90. Eine Flasche Wein im Selection gibt es ab 20 Euro. Getränkepakete kann man auch kaufen. Für 9,90 Euro pro Tag das "Light" mit Softdrinks im Ausschank, MIlchshakes, "Froozies", alkoholfreien Cocktails und Kaffee. Für 19,90 € das "Comfort"-Paket zusätzlich mit Hauswein und zwei Biersorten. Empfehlenswert ist das "Genießerpaket", bei dem Sie ein Guthabenkonto führen und zusätzlich einen Bonus erhalten, z.B. 350 Euro zahlen, Guthaben für 400 bekommen. Die Genießerpakete lohnen sich vor allem für diejenigen, die gerne auch mal ein Glas Wein von der Karte, einen Cocktail, ein Glas Sekt oder ein anderes Bier als die zwei Sorten des Comfortpaketes haben möchten. Aber das ist natürlich auch abhängig von den eigenen Trinkgewohnheiten.
Selection
AIDA-Bar
Insgesamt finden Gäste auf der vita ein recht gutes Angebot an Unterhaltungs- oder Infoprogrammen: Ein Lektor hat über anstehende Ziele informiert, eine "Edutainerin" bot Yogaprogramme und Vorträge z.B. über mehr Achtsamkeit in der Partnerschaft an, an Seetagen gab es Kunstauktionen - die Galeristin auf der vita macht wirklich einen sehr guten Job! -, ein Schauspieler liest aus verschiedenen Werken, Tanzkurse, Comedy-Künstler am Abend im Theater oder die "AIDA Stars" mit Gesang und Tanz im Theater oder am Pool. Dart, Kniffel, Kinderbetreuung, Sauna, ein gutes Buch oder ein Spiel zum Leihen aus der hübschen Hemingway-Lounge. Schade ist bei Unterhaltungsangeboten in der Nightfly-Bar der Lärm von Gästen an der Bar, die lachen und lärmen und anderen Gästen den Genuss des Angebots nehmen. Ob man Spiele wie das Aktiv-Bingo, bei dem Gäste wie auf Studentenpartys zu "Ole!"-Rufen und das Leeren von Sektgläsern auf Ex aufgefordert werden, tatsächlich unterhaltsam findet, sollte jeder für sich herausfinden.
Da unsere Reise während der Sommerferien in BaWü und Bayern stattfand, waren entsprechend viele Familien mit Kindern und Teens an Bord. Es gibt eigene Kinder- und Teensprogramme, die von den Kindern sehr gut angenommen werden. Zu deren Inhalten oder Qualität können wir leider nichts sagen.
Der Fitnessbereich ist auf Deck 9 untergebracht. Ob es so sinnvoll ist, diesen als offenen Bereich direkt hinter dem Buffetrestaurant zu platzieren sei dahingestellt, zumal andere auf ihrem Weg zum Essen Trainierende besichtigen können wie bei einem Bummel durch den Zoo. Der Bereich ist jedoch mit sehr guten, modernen Geräten ausgestattet. Dazu gibt es ein breites Angebot an Kursen - teils gratis, teils gegen Aufpreis - mit guten und freundlichen Trainerinnen und Trainern. Wer noch ein paar Pfunde an Deck loswerden will, kann einen kleinen Joggingpfad oberhalb des Pools nutzen.
Die Sauna ist inklusive und daher vor allem an kühleren Tagen sehr gut besucht. Für 59 Euro gab es eine Saunanacht mit extra Behandlungen und Aufgüssen. Ansonsten haben wir den Spa-Bereich nicht genutzt. An Sonnentagen wird es auf dem Pooldeck wie auf allen Schiffen recht voll. Da wir diesmal allerdings die Transatlantikroute hatten, war die Nutzung des kleinen Pools weniger von Bedeutung. Auf den Außendecks sind auch mehrere Whirlpools.
Unserer Ansicht nach der größte Schwachpunkt auf dem Schiff. Während wir vom superschnellen Check-In total begeistert waren, folgte gleich danach die Ernüchterung. Ein Mitarbeiter war am Eingang des Schiffes mit Gästen beschäftigt, die Einzigen, die uns am Einschiffungstag an Bord begrüßten, waren die sehr freundlichen Gepäckträger. Der Kabinensteward hat sich kein einziges Mal persönlich vorgestellt. Obwohl viele der Crew wirklich sehr freundlich sind, machen anscheinend viele nur das, was sie machen müssen. Unter "leidenschaftlichen Gastgebern" - wie es AIDA vollmundig verspricht - verstehen wir jedenfalls etwas anderes. Das wollen wir dem Personal selbst gar nicht vorwerfen, der Fisch stickt bekanntlich vom Kopf her, und offensichtlich ist persönlicher Service im AIDA-Konzept kaum vorgesehen. Als wir beim Frühstück am ersten Morgen einen frisch gepressten Orangensaft haben wollten - nicht etwa kostenlos, sondern gegen Bezahlung - wurden wir angesehen, als hätten wir gerade prickelndes Gletscherwasser aus der Arktis mit Blattgold bestellt. Frisch gepresste Säfte haben wir nicht bekommen. Nur die Konzentrat-Wasser-Zuckermischung aus dem Spender am Buffet. Am Abend erhalten in den Restaurants einige Tasche Weinkarten, andere nicht. Weil es Hauswein gibt, fragt niemand nach, ob man vielleicht einen anderen Wein oder gar etwas anderes als Cola oder Mirinda vom Buffetautomaten haben möchte. An der Rezeption nimmt man Ihre Beschwerden mit einer Mischung aus Langeweile und Desinteresse zur Kenntnis, manchmal schenkt man Ihnen sogar mit einem Lächeln. Auf der Kabine erhält man dann bei Beschwerden ggf. einen Brief: ein Formular, das man ausfüllen und von der Rezeption zur Kenntnisnahme gegenzeichnen lassen muss, um es dann selbst (!) nach Rostock zum Kundenservice von AIDA zu schicken. Ein Desaster sondergleichen war das Tendern, wenn das Schiff nicht direkt am Pier anlegen kann, sondern ein Stück vom Hafen entfernt auf Reede liegt und die Passagiere mit Booten an Land gebracht werden. Was auf Schiffen mit 4000 Passagieren problemlos klappt, war auf der vita mit 1200 Gästen gerade noch zu bewältigen. Das gab besonders viel Unmut. Die Passagiere erhalten Tendertickets mit Nummern ab 1 aufwärts. Die Tickets werden zwischen 8 und 10 Uhr am Tag zuvor oder am selben Tag ausgegeben. Das heißt aber, das die ersten Gäste schon um kurz nach 6 in der Früh darauf warten, um eines der Tickets zu ergattern. Wer in seinem Urlaub nicht so früh aufstehen will, um solch "unvergessliche Momente" zu erleben, und sich erst später ein Ticket mit hoher Nummer holt, muss unter Umständen stundenlang darauf warten, bis er von Bord gehen kann. In Qaqortoq in Grönland war eine Liegezeit von 14-20 Uhr vorgesehen. Einige Passagiere konnten das Schiff jedoch erst nach 17 Uhr verlassen, hatten gerade mal zwei knappe Stunden, um sich den Ort anzusehen, bevor sie sich dann in die Warteschlange für die Rückfahrt einreihen mussten. Shuttlebusse sind knapp bemessen. Wer in Leith einen frühen Tender in den Hafen bekam, hatte dort nicht direkt einen Bus nach Edinburgh. Obwohl ein kostenpflichtiges Ticket für ein Shuttle um 10.15 Uhr ausgegeben wurde, fuhr der Bus erst gegen kurz vor 11 los. Sogar Gäste, die einen späteren Landausflug bei AIDA gebucht hatten, mussten selbständig an Land tendern und wurden bei der Ticketvergabe nicht bevorzugt. Bei der wirklich sensationellen Fahrt durch den Prins-Christian-Sund in Grönland blieb der Bug des Schiffes für Passagiere gesperrt. Während die Crew -Mitglieder von der Bugspitze Fotos schossen, mussten die Passagiere hinter der Absperrung bleiben. Auch das haben wir auf anderen Schiffen schon besser erlebt, wo man den Bug zumindest für besondere Aus- und Durchfahrten geöffnet hat. Ausgerechnet an einem Seetag, wo viele Reisende die Außendecks nutzen, wurden überall auf dem Schiff Teile der Reling nachgestrichen. Mit der Folge, dass sich auf Teilen der Decks der Geruch von Lösungsmittel ausbreitete. Warum man solche Arbeiten nicht eher auf Tage verlegt, an denen die Mehrzahl der Gäste an Land ist, blieb uns unverständlich. Auch für den kostenpflichtigen AIDA-Schuttle vom Hamburger Hafen zum Bahnhof nach Ende der Reise hieß es wieder: Schlange stehen! Während andere Reedereien ausreichend Busse organisieren, gibt es bei AIDAvita nur das Nötigste. Eine Mitreisende musste trotz erworbenen Shuttle-Tickets wegen zu langer Wartezeit auf den Schuttlebus am Ende noch ein Taxi nehmen, um ihren Zug zu erreichen. Auch wenn diese Kritik die Leistung einzelner Crewmitglieder nicht schmälern soll, alles in allem war das der schwächste Service, den wir auf unseren bislang 16 Kreuzfahrten erlebt haben.
40
Pas de prescriptions
Famille et plaisir
Mauvais
Bei Landausflügen können Sie vieles auf eigene Faust oder mit anderen lokalen Anbietern deutlich preisgünstiger gestalten als mit Buchung durch die Reederei. In vielen Städten haben Sie Hop-On-Hop-Off-Busse, die üblicherweise auch deutsche Übersetzungen per Kopfhörer anbieten, und bei denen Sie Stopps zeitlich wesentlich flexibler gestalten können als bei den Gruppenausflügen mit der Reederei. Achten Sie bei Ausflügen in Eigenregie jedoch immer auf die rechtzeitige Rückkehr zum Schiff!